Seyran Ates (48), Berlin

Seyran Ates kämpft für Frauen-Rechte

Der Anruf kommt kurz vor einer Talkshow. Seyran Ates soll über den Islam sprechen. Am Telefon ist ihre Mutter. "Kind, überleg dir, was du tust. Die ganze Welt ist in Aufruhr. Und wenn du da was Falsches sagst, dann könnten sie dich töten." Seyran antwortet gelassen: "Mama, wenn ich nicht mehr reden kann, dann bin ich auch wie tot!" Die Berliner Rechtsanwältin ist eine engagierte Frauenrechtlerin. Besonders wichtig sind ihr die Musliminnen in Deutschland: "Viele von ihnen leben mitten unter uns wie in einem Gefängnis", sagt sie. Unterdrückung, Zwangsehen, Gewalt sind Alltag. Für Frauen, die sich dagegen wehren, hat sich Seyran Ates zwei Jahrzehnte als Anwältin eingesetzt. Ein gefährlicher Einsatz: Mehrfach ist sie schon angegriffen worden. So massiv wurden die Drohungen, dass sie ihre Anwaltskanzlei aufgeben musste. Bereits 1984 – sie arbeitete in einem "Informationsbüro für türkische Frauen" – wurde sie angeschossen. Sie brauchte Monate, um gesund zu werden. Aber ans Aufgeben hat sie nie gedacht: "Gewalt wird meine Ideale nicht besiegen!" Mit sechs Jahren kam sie mit ihren Eltern von Istanbul nach Berlin. Mit 17 riss sie von zu Haus aus, um frei über ihr Leben zu bestimmen: "Und dieses Recht hat jede Frau!" Sie war schon immer eine Kämpferin. Und dafür zeichnet die Redaktion Seyran Ates mit der GOLDENEN BILD der FRAU aus.

Stand 2006

"Wofür kämpft Seyran Ates? Eigentlich für etwas Selbstverständliches: Für das Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung! Das steht zwar jedem Bürger in Deutschland und Europa zu. Aber die Realität für viele Frauen sieht immer noch anders aus. Muslimische Frauen werden gegen ihren Willen verheiratet. Und – schlimmer noch – geschlagen oder ermordet, wenn sie sich gegen das Joch der erzwungenen Ehe wehren. Seyran Ates prangert das Leid dieser Frauen immer wieder öffentlich an. Wer so wie sie für die Rechte der Frauen eintritt, verdient größte Anerkennung!"

TV-Moderatorin Andrea Kiewel