Beate Alefeld-Gerges (53) heilt verletzte Kinderseelen

EIN PLATZ ZUM TRAUERN

Im „Trauerland“ können Kinder, die einen geliebten Menschen verloren haben, basteln, malen, reden, schweigen – sich einfach verstanden fühlen

Liebe Mama, ich habe dich lieb und werde dich nie vergessen“, schreibt Samuel (9) auf eine orangefarbene Pappe. Orange war die Lieblingsfarbe seiner Mutter Heike. Vor vier Jahren ist sie bei einem epileptischen Anfall erstickt – vor den Augen ihres damals fünfjährigen Sohnes.

Der schmale Junge hängt sein Blatt aus Pappe an den Erinnerungsbaum im „Trauerland Bremen“, Beate Alefeld-Gerges (53) hilft ihm dabei. Dort hängen schon andere letzte Grüße von Kindern: „Du bist über allen wie eine Wolke, Mami“, steht da. Oder: „Warum bist du nicht mehr da?“

Lachen schallt aus den bunt bemalten Räumen des Zentrums für trauernde Kinder und Jugendliche. Gerade sind die „Gummibärchen“ da, Samuels Gruppe. Über 800 Kinder haben hier seit 1999 einen Platz gefunden, um traurig und wütend, verzweifelt und verletzlich, aber auch wieder fröhlich und ausgelassen zu sein.

„Kinder trauern anders“, sagt Beate Alefeld-Gerges. „In einem Moment weinen sie, im nächsten lachen sie.“ Sie hat das „Trauerland“ vor 13 Jahren gegründet – eine bundesweit einmalige Initiative. „Bei uns kann jeder seine Gefühle ausleben. In der Familie ist dafür oft kein Platz, weil alle so traurig sind“, sagt die Sozialpädagogin. „Die Kinder wollen Mama oder Papa nicht noch mehr Kummer bereiten und reißen sich zusammen. Aber Trauer geht nicht einfach weg, sie bleibt.“

Das weiß die Bremerin nur zu gut: 1991 wurde ihre Zwillingsschwester Ulrike bei einem Spaziergang im Park ermordet. „Ein Drogensüchtiger hat meine Schwester verwechselt und erdrosselt“, erzählt Beate Alefeld-Gerges, die ihre engste Vertraute bis heute vermisst.

So unsagbar groß ihr Kummer war, so sehr will sie nun anderen in ähnlicher Not helfen. Mit drei Kindern fing das „Trauerland“ an, heute betreut der Verein 180 Kinder und Jugendliche in Bremen und Oldenburg, bildet bundesweit Trauerbegleiter aus. „Weil wir kein Geld für neue Gruppen haben, stehen Kinder auf der Warteliste“, sagt Alefeld-Gerges. Das macht ihr zu schaffen: „Trauer kann nicht warten!“

Samuel kommt seit drei Jahren. „Was wäre wenn?“, fragt er immer wieder. „Hätte ich den Krankenwagen gerufen, würde Mama vielleicht noch leben.“ Die Bilder seiner Mutter, wie sie nach Luft röchelt, haben sich in seinen Kopf eingebrannt. -Beate Alefeld-Gerges wird alles tun, um sie zu verscheuchen.

Stand 2013

05030 AlefeldGerges36 A
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