Christine Bronner (51) gründete ein ambulantes Hospiz

ENGEL DER UNHEILBAR KRANKEN KINDER

Sie weiß, wie es ist, um ein Kind zu trauern – und hat es geschafft, größte Verzweiflung in Mut und Tatkraft zu verwandeln: Seit 11 Jahren steht die Münchnerin Christine Bronner mit ihrem Team Familien in den schwersten Stunden bei. Ihr Kind ist schwer krank.“

„Ihr Kind wird sterben.“ Es gibt keine schlimmeren Sätze für Eltern. „Man hört diese schreckliche Diagnose, auf die man absolut nicht vorbereitet ist, und es fühlt sich an, als würde man plötzlich einem Säbelzahntiger gegenüberstehen“, sagt Christine Bronner. Extremer Stress, Kontrollverlust, Handlungsunfähigkeit lähmen die betroffenen Familien. „Von diesem Zeitpunkt an ist man nur noch mit Überleben beschäftigt.“

Christine Bronner kennt das Gefühl, an die Grenzen dessen zu stoßen, was man ertragen kann: Sie ist fünffache Mutter, nur drei ihrer Kinder leben. Tochter Stefanie kam zu früh zur Welt, schaffte es nicht; Sohn Simon starb, weil er sich im Bauch die Nabelschnur um den Hals gewickelt hatte. Ihre Ehe wäre damals beinahe zerbrochen, sagt Christine Bronner. „Wir waren mit unser Trauer allein.“ Anderen Familien soll es nicht so gehen, haben sie und ihr Mann Florian danach beschlossen – und aus all dem Leid etwas Gutes, etwas Großartiges gemacht.

Im Herbst 2004 stellen sie den größten ambulanten Kinderhospizdienst in Deutschland auf die Beine. Der ist seitdem mit einem Team aus Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen, Hebammen, Pflegekräften und 180 speziell ausgebildeten ehrenamtlichen Helfern für Familien mit schwerst- oder unheilbar kranken Kindern da.

So ein Kind ist Lucy (17). Seit ihrem fünften Lebensjahr schreitet die Muskelschwundkrankheit ALS voran, Lucy kann so vieles nicht mehr. Aber sie lässt sich nicht unterkriegen. Sie ist fröhlicher Mittelpunkt der Familie, wird auf ihrem Bett im Wohnzimmer inzwischen ständig beatmet, malt wunderschöne Bilder mit Acrylfarben mit dem Mund, spielt Schach gegen ihren Computer. Und Lucy ist happy, wenn Familienbegleiterin Daniela Kayser (45) kommt, ihr zum Beispiel aus Fantasy-Romanen vorliest.

Daniela, Diplom-Physikerin, ist seit einem Jahr an Lucys Seite, hat selbst zwei Kinder. „Ich wollte einfach etwas tun, und habe Lucy sofort ins Herz geschlossen.“ Einmal die Woche kommt sie jetzt in die Familie – eine Entlastung für Lucys berufstätige Mama Anika Hoffmann, die auch mit Baby Puki (2) alle Hände voll zu tun hat. Darum geht es Christine Bronner auch: Eltern dabei zu unterstützen, ihr schwerstkrankes Kind nach Hause zu holen. Die Münchnerin ist immer für „ihre“ Familien ansprechbar, rund 100 werden zurzeit betreut. Grenzsituationen gemeinsam durchstehen, das schweißt zusammen: Auch mit den Eltern verstorbener Kinder hält sie oft jahrelang Kontakt.

„Nicht das Leben mit Tagen füllen“, sagt Christine Bronner mit Nachdruck, „sondern die Tage mit Leben. Mit Freude und Fröhlichkeit.“ Und dann kommt wieder ihr umwerfendes Lachen.

Stand 2015

Christine Bronner28
« 1 von 3 »
SPENDENKONTO
Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München – AKM
IBAN: DE59 7509 0300 0002 4001 03
www.kinderhospiz-muenchen.de