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Patricia Renz (50) integriert benachteiligte Kinder

MUSIK BAUT BRÜCKEN – VON HERZ ZU HERZ

Mit „Musica Altona e.V.“ bringt die Lehrerin Kinder aus Problemstadtteilen zusammen – um Geige, Klavier oder Schlagzeug zu spielen. Das gemeinsame Musizieren baut Vorurteile ab, fördert das Miteinander – und nebenbei riesige Talente.

Als die Violinen den Walzer von Brahms anstimmen, wird es feierlich. Die Augen der Kinder wandern über Notenblätter, die Augenbrauen zur Stirn. Patricia Renz wiegt den Kopf zur Melodie, lächelt aufmunternd. Man sieht, was sie sagen möchte: „Ach, ihr macht das wundervoll!“

Die Hamburgerin ist stolz auf ihre Geigenkids. 2002 hat sie „Musica Altona e. V.“ gegründet – einen Verein, der Kindern eine Chance gibt, die einen schwierigen Start ins Leben haben. Weil ihre Eltern aus einem anderen Kulturkreis kommen, süchtig sind oder arbeitslos. Kinder, die ohne „Musica Altona“ wohl nie in die Nähe einer Geige gekommen wären. Der Verein ist ihr Leben. Tag für Tag ist die Musiklehrerin und zweifache Mutter ehrenamtlich unterwegs. Sammelt Spenden für Instrumente, koordiniert zehn Lehrer, die Klavier, Geige oder Trommel unterrichten, überzeugt Eltern, ihre Kinder zu den Kursen zu lassen, hilft bei Aufnahmeanträgen.

Was treibt Patricia Renz an? „Musik ist die Sprache, die uns alle verbindet“, sagt sie. Die jedes Herz erreicht, Brücken baut. „Musik macht selbstsicher, motiviert, gibt Halt. Das sollen alle Kinder erfahren dürfen! Ungerechtigkeit hat mich schon immer traurig gemacht.“ Wenn die gebürtige Kolumbianerin erzählt, lachen ihre Augen. Ihre Begeisterung steckt an: Mehr als 300 Schüler zwischen zehn und 16 Jahren machen in den Kursen mit, spielen Bach, Vivaldi, jiddische oder Balkan-Lieder – und geben „Gänsehaut-Konzerte“, wie Patricia Renz sie nennt. Zurzeit üben die Schüler nach Unterrichtsschluss in den Räumen einer Ganztagsschule – vor 17 Uhr ist das selten möglich. Patricias Traum deshalb: „Ein eigenes Kindermusikhaus, nie mehr Platzprobleme!“ Um Leistung geht es beim Musizieren nicht – das Miteinander zählt. Dennoch werden immer wieder Talente entdeckt. Wie Maria (12) und Onour (16), die beide grandios Geige spielen. Oder Furkan (15), heute ein kleines Genie am Klavier.

Als er 2010 das Instrument lernen wollte, fehlten Papa (Tellerwäscher) und Mama (Tupperberaterin) das Geld. Lehrer Gino von „Musica Altona“ brachte dem Sohn türkischer Einwanderer die Tonleiter bei, erkannte dessen Begabung. Zwei Jahre später besorgt Patricia Renz dem Jungen ein Begabtenstipendium und ein gebrauchtes Klavier. Heute übt Furkan jeden Tag Beethoven-Sonaten oder Chopins Mazurka, will Pianist werden. „Ich hatte viel Glück“, sagt der Gymnasiast, „und bin ohne Ende dankbar.“ Als er an diesem Nachmittag die ersten Akkorde anschlägt, stellen sich die Jüngeren ums Klavier und schauen auf seine Hände. Die Musik hat hier schon viele Freundschaften entstehen lassen, so manchem Kind Mut geschenkt. Patricia könnte auch viele traurige Geschichten erzählen … Tut sie aber nicht. Weil für sie nur eines zählt: „Dass heute alle Kinder mit Freude Musik machen. Und glücklich sind.“

Stand 2015

Patricia Renz03
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SPENDENKONTO
Musica Altona e. V.
IBAN: DE05 2005 0550 1268 1123 70
www.musica-altona.de