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Petra Mannfeld (52) rettet ihr Dorf

Die Zukunft des Landes selbst in die Hand nehmen

Dem Ort Ziegendorf in Mecklenburg-Vorpommern geht es wie vielen Dörfern auf dem Land:Ihm laufen die Leute weg. Verarmung, Vereinsamung, Verödung sind die Folge. Aber nicht mit Landfrau Petra Mannfeld! Mit viel Energie und guten Ideen startete sie ihr Projekt „Treffpunkt altes Pfarrhaus“ – und steckt alle an!

Hauptberuflich ist Petra Mannfeld Biobäuerin, also eine, die richtig anpacken kann. Kein Typ, der lamentiert. Gar nicht „nebenbei“ ist sie auch noch ehrenamtliche Bürgermeisterin und weiß, wo’s in ihrer Region am meisten brennt: „Wir sterben aus. Vor 20 Jahren waren wir noch rund 850 Ziegendorfer, jetzt sind es knapp 300.“ Die Jungen zieht es in die Metropolen, zurück bleiben vor allem Alte. „Unsere Schule ist geschlossen, der Supermarkt, Bank und Dorfkneipe sowieso, leer stehende Häuser verfallen.“ Aber nicht nur die Jugend fehlt, sondern auch Industrie und Jobs – und damit Steuereinnahmen.

Die Landflucht ist ein bundesweites Phänomen: „In einigen Regionen“, bestätigt Experte Ulrich Harteisen, Professor für Regionalmanagement, „ist es schon lange fünf vor zwölf.“ Doch es sind gar nicht die leeren Kassen und geschlossenen Läden, die Petra Mannfeld am meisten ärgern, sondern: „Die Tatenlosigkeit! Viele von uns haben resigniert, sind deprimiert. Die Mutlosigkeit ist schlimmer als jede Abwanderung. Wenn wir nur darauf hoffen, dass uns jemand hilft, uns rettet, dann können wir warten, bis wir schwarz werden!

Also selber ran! Petra Mannfeld findet Unterstützung bei einer kleinen Gruppe von Landfrauen. Sie renovieren das alte Pfarrhaus, organisieren Freiwilligen-Aktionen, gestalten Gärten, planen Feste: „Wenn alle mithelfen, will hier bald keiner mehr weg!

Immer, wenn sich die Landfrauen im Garten des alten Pfarrhauses treffen, ist auch der alte Dorfgeist zu spüren, der langsam wieder erwacht. Das Pfarrhaus ist jetzt Zentrum für Grillabende, Musikstunden, Theateraufführungen. „Hier haben wir die besten Ideen – sogar im Winter, wenn’s am Holzofen ziemlich kalt wird.“

Die Ziegendorfer sichern marode Häuser, entsorgen Müll, wo sie ihn finden. „Aufräumen klingt ja vielleicht banal, aber oft sind es Kleinigkeiten, die Großes bewirken“, sagt Biobäuerin Petra Mannfeld lächelnd.

Zu den Gemeinschaftsaktionen kommen ständig mehr Freiwillige. Das war nicht immer so. „Nach meiner ersten Amtsperiode wollte ich nicht mehr kandidieren. Ich hatte das Gefühl, alles alleine bewegen zu müssen.“ Also stellt sie der Gemeinde 2014 ein Ultimatum: „Entweder packen alle mit an – oder ich trete ab.“ Das Dorf hat die Botschaft verstanden. „Die Stimmung ist so viel positiver geworden!“, freut sich Petra Mannfeld. 20 Jahre ist es jetzt her, dass sie mit ihren Eltern aus dem Rheinland nach Mecklenburg-Vorpommern zog. „Mein Sohn ist hier aufgewachsen, ich bin hier zu Hause. Ich mag die Landschaft, die Menschen. Gemeinsam machen wir Ziegendorf zukunftsfit!“

Stand 2015

Petra Mannfeld67
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