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Stefanie Jeske (50) kämpft für Unfallopfer

DAMIT DAS RECHT AUF DER RICHTIGEN SEITE IST

Jahr für Jahr werden 8,6 Millionen Deutsche Opfer eines Unfalls – und viele danach von der Versicherung im Stich gelassen. Sie bleiben mit Schmerzen, Schulden und Ängsten allein. Der Düsseldorfer Web-Designerin Stefanie Jeske ist das auch passiert – darum hat sie „subvenio e. V.“ gegründet.

Ein einziger Moment kann dein Leben verändern, alles zerstören, was du dir aufgebaut hast – und du kannst nichts dafür. Bei Stefanie Jeske geschieht das am Abend des 29. Dezember 2004: „Ich verließ das Haus, war gerade ein paar Schritte gegangen, als mich ein fremder Hund wie aus dem Nichts umrannte.“

Beim Sturz bricht der Schienbeinkopf, der Außenmeniskus reißt ab, das Gelenk bricht. Sie muss lange ins Krankenhaus, das Knie immer wieder operiert werden, sechs Monate ist sie arbeitsunfähig. Die selbstständige IT-Expertin hat Verdienstausfälle, weiß zwischendrin nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen bezahlen soll, macht Schulden, verliert Auftraggeber – und irgendwann auch ihren Glauben an die Gerechtigkeit. Denn die Versicherung des Hundehalters zahlt einfach nicht.

„Es sei unbewiesen, dass der Hund mich wirklich umgerannt hat“, sagt Stefanie Jeske, immer noch wütend. Neun Jahre kämpft sie vor Gericht – in dieser Zeit wird ihr Wunsch, anderen Betroffenen zu helfen, immer größer: 2009 gründet sie „subvenio e. V.“ ( = zur Hilfe kommen). Sie startet den Kampf David gegen Goliath. Opfer dürfen nicht noch mal Opfer werden, findet Stefanie Jeske. Dafür trage auch die Politik Verantwortung – oft spricht sie mit Politikern, war schon mehrfach im Justizministerium.

Unzählige Fälle kennt Stefanie Jeske inzwischen, in denen sich die Versicherungskonzerne weigern, Geschädigten das zukommen zu lassen, was ihnen zusteht. In denen Anwälte falsch beraten, Richter kein Recht sprechen, Kassen Therapien verweigern. Die Betroffenen, oft noch unter Schock, sind von all dem völlig überfordert. „Es gab keine richtige Anlaufstelle für diese verzweifelten Menschen“, sagt Stefanie Jeske. „Das wollte ich ändern.“ Für 60 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr vermittelt sie mit ihrem kleinen Team Fachanwälte und Therapeuten. Viele ehrenamtliche Stunden werden geleistet. Stefanie Jeske unterstützt beim Umgang mit Behörden, setzt Schreiben auf, gibt Rat, schenkt Trost.

„Ohne sie hätte ich wohl schon aufgegeben“, sagt etwa Saida Lamgardi (42), die 2012 einen schweren Autounfall hatte: „Der Fahrer des anderen Wagens war schuld, das haben die Polizisten vor Ort bestätigt und ich hatte auch zwei Zeugen.“ Trotzdem weigert sich die gegnerische Versicherung zu zahlen. „Und weil ich so lange krankgeschrieben war, wurde mein befristeter Arbeitsvertrag nicht verlängert. Meine beiden Kinder und ich leben im Moment von Hartz IV. Wir sind am Existenzminimum – von hier auf jetzt.“

Bei Stefanie Jeske fand die zweifache Mutter Halt. „Viele Betroffene verlieren ihr soziales Umfeld, oft wenden sich sogar Freunde ab, weil sie nicht die immer gleiche Geschichte hören wollen. Und vielen wird auch noch unterstellt, sie wollten sich Leistungen erschleichen.“

All das kennt Stefanie Jeske auch aus eigener Erfahrung. Sie selbst hat schließlich vor Gericht einem Vergleich zugestimmt: „Ich wollte einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen.“ Sie braucht jetzt ihre ganze Kraft für andere Unfallopfer.

Stand 2015

Stefanie Jeske18
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SPENDENKONTO
subvenio e. V.
IBAN: DE61 3005 0110 1005 2828 66
www.subvenio-ev.de