Diana Doko (45) klärt über Depressionen auf

Wenn die Seele krank ist, braucht sie Hilfe


Der 12. August ist für Diana Doko ein ganz besonderer Tag. Es ist der Todestag ihres Bruders Enis. Familie und Freunde versammeln sich dann an seinem Grab. Es gibt sein Lieblingsessen Spaghetti Bolognese, manche rauchen seine Lieblingszigarette, es ist wie ein Picknick. Eines, das die Erinnerung an Enis feiert – und außerdem das Leben.

Enis litt an Depressionen. Er war 21 Jahre jung, als er sich umbrachte – 20 Jahre ist das jetzt her. Oft habe ihr Bruder zu ihr gesagt: „Ich wünschte, ich hätte Krebs.“ Diana Doko schüttelt traurig den Kopf: „Er hätte lieber eine Krankheit gehabt, mit der die Leute besser umgehen können.“ Denn Depressionen? Da wenden sich viele verunsichert ab. Nach Enis’ Tod bekommen seine Eltern und Schwester therapeutische Hilfe – Enis‘ Freundin und sein bester Freund nicht. Sie müssen selbst sehen, wie sie mit dem Schicksalsschlag klarkommen.

Als dann kurze Zeit später auch noch ihr Kollege Gerald Schömbs seine Partnerin Caro (†33) durch Suizid verliert, tun sich die beiden zusammen: 2001 gründen sie den Verein „Freunde fürs Leben“. Ihr Ziel: „Seelische Gesundheit darf kein Tabu-Thema mehr sein! Niemand soll sich schämen, wenn es ihm nicht gut geht“, sagt Diana Doko. „Wenn ich mir den Arm breche, lasse ich mir vom Arzt helfen. Warum nicht, wenn mich schwere Gedanken plagen?”

Bis heute dauert es im Schnitt elf Monate, bis ein Betroffener mit Depressionen Rat sucht. „Viele wissen auch gar nicht, an wen sie sich wenden sollen.“ Auch das will der Verein ändern. „Wir sind keine Therapeuten, aber wir klären auf und zeigen, welche Hilfsangebote es gibt – für Betroffene, Angehörige und Freunde.“ Broschüren, Webauftritt, ein Gesundheitskanal im Internet: Ihr Engagement ist vielfältig.

Diana Doko will die Politik stärker in die Pflicht nehmen. „Das Thema muss endlich auf die gesundheitspolitische Agenda.“ Drogen, Aids, Diabetes, Rasen auf der Autobahn – gegen all das gibt es bundesweite Aufklärungskampagnen. Depressionen aber sind ein vergessenes Thema. Obwohl in Deutschland etwa vier Millionen Menschen an einer depressiven Störung leiden. Obwohl sich alle 53 Minuten ein Mensch das Leben nimmt. Obwohl Suizid bei Jugendlichen die zweithäufigste Todesart ist. Obwohl wir immer mehr zu einer Burnout-Gesellschaft werden.

„Sind all diese verlorenen Leben denn nicht Grund genug, dass sich die Politiker endlich um das Thema kümmern?“ Die Berlinerin wird nicht lockerlassen. „Am Ende eines jeden Jahres schreibe ich verzweifelte Briefe an die Politiker. Aufgeben ist für mich keine Option.“

frnd Bar Talk Dreh 2017 Diana&Gerald&Clueso
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Freunde fürs Leben e.V.
IBAN: DE02 1005 0000 0950 0036 62
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