Jacqueline Flory (43) baut Zeltschulen in Flüchtlingscamps

„Jedes Kind hat das Recht auf Bildung – und Zukunft“


Weil Bücher und Wissen das beste Mittel gegen Terror und Gewalt sind, hat die Münchnerin den Verein „Zeltschule e. V.“ gegründet. Sie gibt Tausenden syrischen Flüchtlingskindern im Libanon die Chance zu lernen – und macht sie stark für den Frieden



Es sind Mädchen wie Esra, die Jacqueline Flory antreiben. Zwölf Jahre war die Kleine, als sie im Camp weinend vor ihr stand. „Sie hat sich furchtbar geschämt, weil sie in ihrem Alter weder lesen noch schreiben konnte. Dabei war das nicht ihre Schuld. Der Krieg ist schuld.“ Jacqueline tröstet, macht dem Mädchen Mut. Heute, nur drei Monate später, kann Esra schon viele Wörter schreiben und will selbst Lehrerin werden. Heute hat Esra wieder Träume und Pläne. Die Münchnerin kennt viele solcher Kinder. Seit drei Jahren baut sie Zeltschulen in den überfüllten Flüchtlingscamps im libanesisch-syrischen Grenzgebiet. „Dort wächst eine ganze Generation von Analphabeten heran, viele der Kinder waren seit Jahren nicht in der Schule. Dabei sollen sie doch eines Tages ihr Land wiederaufbauen.“

Auf die Idee mit den Zeltschulen kam die zweifache Mutter im Herbst 2015, als in München Züge voller Flüchtlinge eintrafen. „Ich überlegte, wie man diesen Menschen helfen kann, in ihrer Heimat eine Zukunft zu haben.“ Sie beginnt, an der Schule ihrer Kinder Linus (8) und Lilith (10) Geld zu sammeln, gründet im Frühjahr 2016 den Verein „Zeltschule e. V.“. Weil sie als Dolmetscherin Arabisch spricht, knüpft sie schnell Kontakte zu den Camps in der Bekaa-Ebene. Als dort im September 2016 der Unterricht in Mathe, Englisch, Arabisch und Naturwissenschaften startet, hören sie im Nachbarland Granaten einschlagen. Jacqueline spürt die Dankbarkeit, macht weiter. Bis heute hat sie elf Schulen im Grenzgebiet gebaut, 2500 Kindern geholfen. 7000 Euro kostet der Bau so eines provisorischen Klassenzimmers, 3000 Euro im Monat der Unterhalt. Jacqueline versorgt die Kinder auch mit Essen und Medizin. Eine Bäckerei hat sie gebaut, die 1000 Menschen am Tag satt macht: „Denn die Flüchtlinge dürfen nicht arbeiten. Um nicht zu verhungern, müssen sie sonst ihre Kinder zur Feldarbeit schicken – statt in die Schule.“ Gerade sammelt Jacqueline Flory für eine zweite Fladenbrotbäckerei.

Vier bis fünf Mal pro Jahr reist die Mutter in den Libanon, auch durch Hisbollah-Gebiet. Weil ihr Lebensgefährte 2014 bei einem Autounfall starb, nimmt sie in den Ferien sogar ihre Kinder mit. Oft schläft die Familie dann im Camp. Angst hat sie nicht: „Weil ich die Sprache spreche und wir Freunde vor Ort haben, fühlen wir uns sicher“. Und wenn wie im Januar im Libanon ein Sturm tobt und die halbe Zeltstadt unter Wasser steht, leiden Jacqueline und ihre Kinder daheim mit. „Die Schicksale der Menschen dort begleiten uns jeden Tag.“ Und so geht die Hilfe weiter, Schule um Schule. Bis in Syrien endlich Frieden ist.

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Spenden: Zeltschule e. V.
Stadtsparkasse München
IBAN: DE44 7015 0000 1004 3195 29
www.zeltschule.de

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