Carina Raddatz (28) kämpft gegen Altersarmut

Kein Rentner in Not soll sich vergessen fühlen


Das Bild hat sich in Carinas Herz gebrannt: „In der Kölner Innenstadt sah ich vor zwei Jahren eine ältere Frau, die im Müll verzweifelt nach Pfandflaschen suchte. Da beschloss ich, etwas gegen Altersarmut tun.“ Kurz darauf gründet sie den Verein „Obstkäppchen e. V.“



Die Tüten sind prallvoll mit knackfrischem Obst und Gemüse, gerade hat Carina Raddatz (28) noch Mangos obenauf gelegt. Aber auch Nudeln und ein paar Kekse sind dieses Mal mit dabei. 150 Tüten sind es heute. Gepackt für Seniorinnen und Senioren, bei denen die schmale Rente nicht mal für gutes, gesundes Essen reicht. Und für die Carina und ihre Helfer wahre Engel sind. „Das Glück in den Augen dieser älteren Menschen zu sehen“, sagt Carina, „bedeutet mir viel.“ Und sie schenkt den Rentnerinnen und Rentnern nicht nur Lebensmittel: Viele hat die Armut auch einsam gemacht, sie leben isoliert, freuen sich über den Besuch, die Zeit, die Zuwendung. Heute leuchten auch die Augen von Carmen Heppner: Es ist Samstag, „Obstkäppchen“-Tag! „Da seid ihr ja, ihr Lieben“, ruft sie und öffnet vorsichtig die Tür, damit Kater „Lines“ nicht ausbüxt. Und sieht sofort die Mango: „Oh! So was Besonderes hatte ich lange nicht.“ Die 65-Jährige ist eine der 150 Rentnerinnen und Rentner in Hennef und Köln, die jeden Monat von rund 20 „Obstkäppchen“-Helfern versorgt werden. Nächsten Monat kommen weitere 100 Rentner aus Siegburg dazu – „Obstkäppchen“ wächst. Wen sie beliefern, entscheidet Psychologie-Dozentin Carina zusammen mit dem Sozialamt. „Damit die Tüten auch wirklich bei den Richtigen ankommen.“

Viel zu vielen Menschen geht es wie Carmen Heppner: Mit knapp 400 Euro Rente muss die Seniorin im Monat auskommen, davon 50 Euro Strom zahlen, 8 Euro Telefon. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet, auf dem Feld, als Küchenhilfe, als Fabrikarbeiterin.“ Dass sie sich für keine Arbeit zu schade war, hilft ihr heute nicht. „Das Geld reicht einfach nicht, obwohl das Amt meine 1-Zimmer-Wohnung zahlt.“ Schon lange geht sie auch zur Tafel. „Aber dort ist oft viel Gerangel, das fühlt sich nicht gut an.“ Die Hilfe von „Obstkäppchen“ ist für sie Seelenmedizin: „Dass sich jemand um mich kümmert, mir tolle Lebensmittel bringt, ein Schwätzchen hält, das ist großartig!“ Eine Woche kommt sie mit der Tüte aus. „Du hast so ein großes Herz“, sagt Carmen zu der jungen Kölnerin und wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Vielen, vielen Dank!“

Es sind eben nicht nur Lebensmittel, die das Team von „Obstkäppchen“ in seine Tüten packt. Auch Zuneigung, Respekt, Wertschätzung stecken darin. „Keiner soll sich in unserer Gesellschaft vergessen ­fühlen“, sagt Carina. „Das Ziel ist hoch gesteckt, ich weiß. Aber wir von ,Obstkäppchen‘ tun, was wir können.“ Jede „Obstkäppchen“-Tüte macht, dass ein älterer Mensch weniger traurig ist. Jede Tüte macht einen Unterschied.

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SPENDENKONTO:
IBAN: DE27 3705 0299 0081 2923 29
www.obstkaeppchen.de

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