Nina Lindtner (15) setzt sich für unheilbar kranke Jugendliche ein

Wir wollen kein Mitleid, sondern Chancen


Vor sechs Jahren wurde bei ihrem Bruder Felix ein Hirntumor entdeckt. Seitdem ist auch für Nina nichts mehr, wie es mal war. Mit dem Jugend-Club „Grüne Bande“ kämpft die Aschaffenburgerin gegen Ausgrenzung, darum, dass schwer kranke Kinder und deren Geschwister im Schatten Gehör finden



Natürlich dreht sich in Ninas Familie fast alles um Felix. Er sitzt im Rollstuhl, der Tumor in ­seinem Kopf ist inoperabel. „Manchmal hat Felix plötzlich Krampfanfälle, dann muss alles ganz schnell gehen, da darf keiner im Weg sein. Ich lade nur noch selten Freunde ein“, erzählt die Gymnasiastin aus Unterfranken. Und fügt schnell hinzu: „Ich liebe meinen Bruder und weiß, dass nicht er schuld ist, sondern der Tumor!“ Eine Erklärung, die sie beim „Bandentreffen“ niemals geben müsste. Denn in dieser Bande, deren Chefin Nina heute ist, versteht man sich. Alle wissen, wie man sich fühlt – als Schattenkind, auf dessen Familie eine schwere Krankheit lastet. „In der Bande können wir ganz offen über alles sprechen“, erzählt Nina. 14 bis 27 Jahre alt sind die Mitglieder, ein Club für zurzeit 70 junge Leute, die selbst krank sind, aber eben auch für deren Geschwister und Freunde. „Gemeinsam können wir unsere Sorgen auch mal vergessen.“ Unbeschwert, albern, unvernünftig – einfach jung sein. Als Nina das erste Mal dabei ist, im Dezember 2018, erkunden sie zwei Tage lang Köln. Besichtigen den Dom, das Schokoladenmuseum, lassen sich professionell fotografieren, komponieren einen eigenen Banden-Song. Zwei Tage voller Begeisterung, Unbeschwertheit, Zusammenhalt. „Als ob plötzlich ein heller Schweinwerfer auf mich gerichtet wäre“, beschreibt Nina das Gefühl, das ihr die „Grüne Bande“ gibt. Gegründet hat den Club 2017 die Heidelbergerin Sina Wolf (19), die unter spinaler Muskelatrophie leidet, organisatorisch gehört er zum Bundesverband Kinderhospiz e. V. Für Nina ist schnell klar: Der Club muss wachsen, mehr Betroffene brauchen diese Chance auf Austausch!

Im August 2019 wird sie die neue Vorsitzende, die Bandenchefin. Seitdem versucht sie, den Club bekannter zu machen, Unterstützer und neue Mitglieder zu gewinnen. Sie verteilt Flyer, spricht auf Veranstaltungen oder in Schulen, organisiert den Austausch der Mitglieder über Chats. Eine ganz besondere Herzensangelegenheit: „Sportangebote zu schaffen! Felix macht Para-Sport, muss dafür aber teure Tauglichkeits-Untersuchungen machen oder kostspielige Ausrüstung bezahlen. Das ist unfair, auch kranke Jugendliche haben ein Recht auf Freude an Bewegung.“

Ihre bisher größte Herausforderung als Bandenchefin? „Das zweite große Treffen in Heilbronn zu organisieren. Von Spenden finanziert, kostenlos für die Teilnehmer. Die Jugendherberge, Restaurants, Museumsbesuche – alles muss ja barrierefrei sein“, erzählt Nina. Es gelingt! Im Dezember 2019 herrscht sie wieder, diese ganz besondere Energie. Nina spürt: Alle nehmen nicht nur tolle Erlebnisse mit nach Hause, sondern auch neue Freunde und eine Riesenportion Mut. Ein starkes Band, geknüpft von einer ganz besonderen Bande.

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SPENDENKONTO:
Stichwort: Grüne Bande
IBAN: DE03 4625 0049 0000 0290 33
www.gruene-bande.de

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