Sabine Häcker (50) macht Hunde zu Helfern für Menschen mit Handicap

Für dich da – mit Herz und Schnauze!


Wenn man die Strümpfe nicht allein ausziehen kann, weder an Waschmaschine noch Lichtschalter kommt, wird der Alltag beschwerlich. Der Berliner Verein „Hunde für Handicaps e. V.“ bildet darum gemeinsam mit den Gehandicapten ganz besondere Alltagshelfer aus – echte Pfoten-Kumpel fürs Leben



Dieser wache Blick! Wenn es dunkel wird, ist „Quincys“ Typ gefragt. Kommt von Eileen (56) das Codewort „Licht!“, springt der Labrador sofort auf und trabt zur Stehlampe, drückt die rechte Pfote auf den Schalter.

„Quincy“ ist der Assistenzhund von Eileen Moritz. Die Berlinerin ist kleinwüchsig, sitzt wegen Fehlstellungen ihrer Gelenke im Rollstuhl – wodurch sie im Alltag auf viele Hürden trifft: „Was auf dem Boden liegt, kann ich nicht aufheben, meine Jacke kann ich nicht ausziehen, das Gartentor nicht allein öffnen.“ Dass es „Hunde für Handicaps“ gibt, ist für sie ein Segen. Der Verein bildet Assistenzhunde aus, um Menschen wie ihr Selbstständigkeit und Lebensfreude zu schenken – und den Hunden einen duften Teampartner. Sabine Häcker, die Vereinsvorsitzende, hat den Rüden „Quincy“ bis 2019 ausgebildet. Heute hilft er Eileen auf Kommando aus der Kleidung, öffnet Türen. Fällt im Büro etwas runter, hebt er es auf. „Quincy schenkt mir Freiheit“, sagt Eileen, „weil ich andere nicht mehr für jede Kleinigkeit fragen muss.“ Sabine nickt: „So ein Hund ist immer da.“ Und wertet nie.

Mensch-Tier-Allianzen wie zwischen Eileen und „Quincy“ sind ihr Herzenswerk. „Ich hatte mit 16 eine Freundin, die im Rollstuhl saß. Als ich hörte, dass behinderte Hundehalter einen Verein gegründet haben, um eine neue Zusammenarbeit von Mensch und Tier zu fördern, war ich gleich begeistert.“ Sabine wird Tierärztin, steigt nach Studienbeginn zuerst als Mitglied und 1992 als Trainerin ehrenamtlich im Verein ein. 2007 wird sie dessen Vorsitzende. Heute bildet Sabine, die auch eine Hundeschule betreibt, nicht nur Assistenten auf Pfoten aus. Sie führt auch Bewerbergespräche, betreut Teams, kämpft mit Mitstreitern um ein Assistenzhundegesetz, das Begleithunde mit ihren Menschen ins Kino oder Theater lässt. 29 Jahre, über ihr halbes Leben lang, engagiert sie sich schon. „Teure Urlaube und Hobbys verkneif ich mir. Ich hab nicht mal Kabelfernsehen“, erzählt sie lachend. „Freizeit und Geld stecke ich in den Verein.“ Der hat aktuell 87 Mitglieder und schon 94 Welpen aufgezogen, von denen ein Fünftel Assistenzhund wurde. „Meist zeigt sich erst spät, welcher Hund geeignet ist. Das macht unsere Arbeit zeitintensiv.“ Und teuer: 23 000 Euro kostet die Ausbildung insgesamt. Ein Welpe kommt mit acht Wochen vom Züchter, verbringt dann erst mal ein Jahr in einer Patenfamilie, die ihn sozialisiert, Alltag mit ihm übt. Nach der Eignungsprüfung fängt die Ausbildung an, die zwei Jahre dauert. Besteht der Hund die Abschlussprüfung, darf er bei seinem Menschen bleiben – wenn beide harmonieren. „Passt es“, sagt Sabine, „haben die Hunde ganz viel Spaß am Helfen.“ Bei Eileen und „Quincy“ klappt es bestens. Bevor es ins Bett geht, ein letztes Kommando: „Licht!“ Der Labrador drückt schwanzwedelnd noch mal die Pfote auf den Schalter, es wird dunkel. So ein feiner Hund! „Schlaf gut, mein Bester.“

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